JLF – – „Je leerer die Flasche, desto besser der Wein“ –- ist ja eigentlich nur eine ironisch-lustvolle Provokation des tierischen Ernstes, mit dem manche glauben, sich dem Thema Wein nähern zu müssen. Bei Merum sind wir im Gegensatz zu vielen schreibenden Kollegen der Überzeugung, dass ein Wein nicht in erster Linie „groß“, sondern zuallererst einmal „gut“ sein müsse. Wir sind noch immer der Meinung, Wein hätte etwas mit Trinken zu tun, mit Vergnügen, mit Spaß.

Wenn man unter Leuten sitzt, die verbissen über Wein diskutieren, könnte einem doch manchmal direkt die Lust auf Wein vergehen. Weingespräche klingen oft völlig abgehoben und lustfremd. Die Weinfachleute könnten geradesogut über die Vor- und Nachteile von Staubsaugermodellen streiten.

Aber Wein ist doch kein Trockenstoff!

JLF soll in erster Linie dem Wein gerecht werden. Mit JLF wollen wir das goldene Kalb Wein schlachten und es einer ausgelassenen Runde zum Schmaus auftischen.

JLF lässt sich mit verdeckten oder mit offenen Flaschen durchführen. Wir ziehen unverdeckte Flaschen deshalb vor, weil verdeckten Flaschen stets der Ruch von Objektivität und Professionalität anhaftet, … und das stört unseren Trinkspaß. JLF heißt: Lasst uns trinken, erst den besten Wein, dann den zweitbesten… wobei natürlich jeder Tafelgenosse seinen Lieblingswein selbst bestimmt.

Damit der ironisch „Test“ genannte JLF-Abend tatsächlich eine Aussage ergibt, sind Spucken und Auskippen der Gläser streng verboten. Was man sich in die Gläser gießt, muss ausgetrunken werden. Verpönt ist deshalb auch ungefragtes gegenseitiges Einschenken.

Wer einen JLF-Abend organisieren will, sollte abschätzen, wie viele vollzählende Mittrinker dabeisein werden. Halbabstinente Begleiter und Begleiterinnen sollten für die Berechnung der Flaschenzahl außer Acht gelassen werden. Die Erfahrung zeigt, dass man für acht vollzählende JLF-Teilnehmer acht möglichst verschiedenartige Flaschen (zum Beispiel moderner und traditioneller Stil, verschiedene Sorten oder Provenienzen) köpfen sollte. Mindestens ein gemeinsamer Nenner – der Jahrgang zum Beispiel, und/oder die Traubensorte, oder die Appellation – sollte jedoch festgelegt werden. Damit der Abend für jeden Einzelnen zum Erfolg gerät, empfiehlt es sich, für die Teilnehmer ein Blatt vorzubereiten, auf dem die Weine aufgelistet sind und Platz für Notizen zur Verfügung steht.

Es empfiehlt sich, die Teilnehmer die Weine bereits vor dem Essen probieren zu lassen. Allerdings nur jeweils ein winzig-kleines Schlückchen (Spucken ist ja verboten). Die Flaschen werden anschließend auf dem Esstisch verteilt und jeder darf von den Weinen trinken, die ihm gefallen. Jeder bedient sich selbst, erst nur ganz, ganz wenig von jedem Wein, dann mehr von seinen Favoriten. Egoistisches Wegtrinken ist ausdrücklich erlaubt! Gegenseitiges Beeinflussen auch.

Dem Gastgeber sei empfohlen, den „Test“ abzubrechen, oder zumindest zu unterbrechen, wenn ein Viertel oder ein Drittel der Flaschen leer ist und die Gäste beginnen, sich langsam über die Weine ihrer zweiten Wahl herzumachen. In diesem Moment misst der Gastgeber mit dem Metermaß die Weinreste in den Flaschen und hält das Resultat (in Zentimeter) fest. Dann gilt: JLF (je leerer die Flasche…), umso besser der Wein!

 

Die Regeln für den JLF-«Weintest» in Kürze:

  • Die Flaschen sind unverdeckt.
  • Man wählt ein Weinthema.
  • Die Gäste (ideal sind acht Personen) probieren von jeder Flasche (je nach Trinkpotential der Anwesenden etwa eine Flasche pro Person) ein kleines Schlückchen und lassen dann ihrer Vorliebe freien Lauf.
  • Spucken und Auskippen der Gläser sind streng verboten!
  • Um in der italienischen Weingeographie weniger Bewanderten die Orientierung zu erleichtern, empfiehlt es sich, für die JLF-Teilnehmer eine Liste der offerierten Weine vorzubereiten, auf der sie auch ihre Eindrücke festhalten können.
  • Meinungsäußerungen, gegenseitiges Beeinflussen und egoistisches Wegtrinken des Lieblingsweins sind ausdrücklich erlaubt.
  • Nach dem Weggang der Gäste misst der Gastgeber mit dem Metermaß die Weinreste in den Flaschen und dann gilt: JLF (je leerer die Flasche), umso besser der Wein!