Das italienische Landwirtschaftsministerium hat Mitte März die endgültige Erntebilanz für das Weinjahr 2023 vorgelegt. Diese liegen mit 38,3 Millionen Hektoliter noch deutlich unter den bereits negativen Ernteschätzungen der Weinbauverbände Assoenologi, UIV und des Statistikinstitus Ismea vom November vergangenen Jahres. 2023 geht damit offiziell als das Jahr mit der magersten Weinernte in die Geschichte seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947 ein. Den korrigierten Zahlen zufolge ging die Erntemenge in den produktionsstarken Regionen Piemont (-17%) und Veneto (-10%) stärker zurück als im vergangenen Herbst prognostiziert, dazu kommen die immensen Schäden durch Falschen Mehltau (Peronospora) im Zentrum und Süden des Landes. Der EU-Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zufolge ist Frankreich, dessen Erntezahlen ebenfalls nach unten korrigiert wurden, 2023 mit 48,1 Millionen Hektolitern der mit Abstand produktionsstärkste Weinproduzent der EU vor Italien und knapp dahinter Spanien mit 32,1 Millionen Hektolitern.

EU/Winenews/fh - Mrz 2024

Das italienische Landwirtschaftsministerium unter Minister Francesco Lollobrigida hat mit einem Ad-hoc-Dekret die am 8. Dezember 2023 in Kraft getretene EU-Etikettierungsverordnung 2021/2117 bis 8. März 2024 ausgesetzt.
Die neue Etikettierungsverordnung sieht die Auflistung der Zutaten und die Nährwertdeklaration von Weinen und aromatisierten Weinerzeugnissen vor, mit der Möglichkeit, diese Informationen elektronisch über einen QR-Code auf dem Rücketikett zu übermitteln. Nur zwei Wochen vor Inkrafttreten der Verordnung hatte die EU-Kommission spezifiziert, dass das ausgeschriebene Wort „Zutaten“ (italienisch ingredienti) an der Stelle stehen sollte und ein stilisiertes „i“, wie es von vielen Produzenten genutzt wurde, nicht ausreiche. Da diese Leitlinien erst so kurz vor Inkrafttreten der Verordnung bekannt gegeben wurden und zudem nicht klar ist, ob das Wort nur in der jeweiligen Landesprache oder allen EU-Sprachen angegeben werden muss, regte sich Widerstand in den europäischen Weinbaunationen, vor allem, weil viele Produzenten in der Absicht, die Etikettierungsverordnung umzusetzen, bereits Etiketten gedruckt haben, die nach der Zusatzverordnung wertlos wären und eingestampft werden müssten.
„Die Weinunternehmen in der EU haben schon vor vielen Monaten damit begonnen, sich auf die Einhaltung der Frist vorzubereiten. Wir schätzen, dass heute bereits mehrere hundert Millionen Etiketten gedruckt wurden, von denen viele bereits in den Regalen stehen“, kommentierte der Präsident des europäischen Weinkomitees CEEV (Comité Européen des Entreprises Vins), Mauricio González Gordon. „Wir können eine neue Auslegung, die 14 Tage vor dem Anwendungsdatum veröffentlicht wird, nicht akzeptieren, die die Vernichtung von Hunderten von Millionen bereits gedruckter Etiketten bedeutet, und sind nicht in der Lage, die neuen Etiketten rechtzeitig zu drucken.“
Durch das Dekret des italienischen Landwirtschaftsministeriums wird die Einführung der Verordnung für Italien auf den 8. März 2024 verschoben, so dass italienische Winzer die Möglichkeit haben, bereits gedruckte Etiketten zu verwenden.

EU/Gamberorosso/Teatronaturale/Winenews/fh - Dez 2023

Die Brüsseler EU-Parlamentarier haben mit großer Mehrheit einen Vorschlag des Umweltausschusses der EU-Kommission zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent bis zum Jahr 2030 abgelehnt. 299 Parlamentarier stimmten gegen strengere Regeln, 207 dafür und 121 enthielten sich. Das Abstimmungsergebnis fand bei Landwirtschaftsverbänden wie Confagricultura und Copagri große Zustimmung, während sich Umweltschutzverbände doppelt enttäuscht zeigten, nachdem gerade erst die Genehmigung für das umstrittene Herbizid Glyphosat um zehn Jahre verlängert worden war (siehe unsere Meldung „EU: Glyphosat-Genehmigung für zehn Jahre verlängert“).

 

Gamberorosso/Teatronaturale/fh - Nov 2023

Die Europäische Kommission hat die Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat um weitere zehn Jahre verlängert. Die Entscheidung der Kommissare kam zustande, weil im Berufungsausschuss in zwei Abstimmungsrunden weder eine qualifizierte Mehrheit für eine Neuzulassung noch für ein Verbot des Wirkstoffes zustande kam, dessen Genehmigung am 15. Dezember 2023 ausläuft. Eine qualifizierte Mehrheit liegt vor, wenn sich mindestens 55 Prozent der EU-Staaten, die zusammen 65 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, gemeinsam stimmen.
Zu den Staaten, die in zwei Abstimmungsrunden nicht gegen eine Verlängerung gestimmt haben, gehört auch Italien. Am 13. Oktober hatte Italien sogar noch für eine Neuzulassung gestimmt, wenn auch unter der Bedingung, dass der Glyphosat-Einsatz kurz vor der Ernte untersagt wird. Weil ein solches Verbot – zumindest auf EU-Ebene – nicht zustande kam, hat sich Italien in der zweiten Abstimmungsrunde am 16. November 2023 enthalten. Mitgliedstaaten haben zwar nicht die Möglichkeit, Glyphosat komplett zu verbieten, können aber den Einsatz auf nationaler und regionaler Ebene einschränken.

Gamberorosso/fh - Nov 2023

Die EU-Kommission hat eine Verordnung erlassen, nach der es möglich ist, Schaumweine ohne die charakteristische Folie am Flaschenhals zu verkaufen. Demnach ist zwar die „Umkleidung der Haltevorrichtung von Schaumweinflaschen mit Folie im Allgemeinen Schaumweinen, Qualitätsschaumweinen und aromatischen Qualitätsschaumweinen als obligatorisches Kennzeichen vorbehalten“, wie in der Verordnung (EU) 2019/33 festgelegt. Durch die neue Zusatzverordnung (EU) 2023/1606 ist es Herstellern und Abfüllern aber gestattet, Folien aus betrieblichen Gründen wie Kosteneinsparungen, Abfallvermeidung oder Verbesserung der Vermarktung nicht zu verwenden, sofern kein Sicherheitsrisiko durch unbeabsichtigtes Öffnen oder Manipulation der Haltevorrichtung für das Erzeugnis besteht.“
Tatsächlich befindet sich einer der größten Hersteller der meist aus Aluminium oder Zinn bestehenden Folienkapseln in der Ukraine und kann seit Beginn des Krieges mit Russland nicht mehr liefern. Während einige Produzenten und Verbände die Verordnung begrüßten, zeigen sich andere eher skeptisch. In der Champagne wird sogar überlegt, das Anbringen der Folienkapsel als obligatorischen Verpackungsbestandteil ins Produktionsreglement aufzunehmen.

Gamberorosso/Weinplus/fh - Sep 2023

Die Europäische Kommission hat einen Änderungsvorschlag zur Handhabung gentechnisch veränderter Pflanzen vorgelegt. Nach Ansicht der Kommissare können cisgenetische Verfahren wie die Gen-Schere Crispr/Cas dazu beitragen, Pflanzen mit höherer Resistenz gegen Schädlinge und Folgen des Klimawandels zu züchten, um auf weniger Pestizide und Düngemittel angewiesen zu sein. Eine Zulassung gentechnisch veränderten Pflanzenmaterials soll jedoch nach den Plänen an Bedingungen geknüpft sein: Erstens dürfen keine artfremden Gene in den neuen Organismus eingeführt werden und zweitens die Zahl der veränderten Gene 20 nicht überschreiten. Insgesamt sollten die durch das Verfahren erreichten Änderungen nicht größer sein als solche, die auch durch konventionelle Pflanzenzucht (in einem wesentlich längeren Zeitraum) erreichbar wären. In der Bio-Landwirtschaft soll das Verfahren aber weiterhin verboten bleiben.
Der Vorschlag der EU-Kommission stützt sich auf Untersuchungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, nach denen von mittels neuer Gentechnik gezüchteten Pflanzen kein größeres Risiko ausgehe als von konventionellen. Bis zum Inkrafttreten der neuen Verordnung muss diese noch die Zustimmung des Europäischen Rats und Parlaments bekommen, was voraussichtlich bis 2024 geschehen wird.
In einigen Nicht-EU-Ländern ist das Verfahren bereits zugelassen. So gibt es in den USA Senf mit weniger Bitterstoffen und auf den Philippinen Bananen, die nicht braun werden.

Gamberorosso/fh - Jul 2023

Wissenschaftler der Aristoteles-Universität Thessaloniki haben bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Philippi in Nordwestgriechenland Belege für Weinkonsum in Europa vor über 6000 Jahren gefunden. In den Ruinen einer um 4300 v. Chr. abgebrannten Behausung stießen sie dank der sogenannten Flotationsmethode auf Überreste von Traubenkernen und Trester. Bei der Flotation werden Ablagerungen in Wasser gelöst und Fragmente der enthaltenen Materie schwimmen an der Oberfläche auf. Ob die Trauben, deren Reste gefunden wurden, kultiviert oder als Futtermittel genutzt wurden, lässt sich nach Angaben der Archäologen nicht zweifelsfrei klären, doch beweise der Fund, dass Wein Teil der Ernährung und des Lebens der Menschen im frühbronzezeitlichen Griechenland gewesen sei. Nach Griechenland könnte der Weinbau über den Nahen Osten aus Georgien gekommen sein, wo er schon etwa zwei Jahrtausende früher betrieben wurde. Möglich wäre aber auch, dass er sich vor Ort in Griechenland im gleichen Zeitraum selbst entwickelt habe.

TheDrinksBusiness/Winenews/fh - Mai 2022

Die europäischen Weintrauben sind wahrscheinlich durch Kreuzung von domestizierten Tafeltrauben aus Westasien mit lokalen europäischen Wildreben entstanden. Dies geht aus einer Studie hervor, die von der Universität Udine und dem Institut für angewandte Genomik (IGA) durchgeführt und in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde.

Die Studie hat die Evolutionsgeschichte der Weintrauben in Europa anhand genetischer Analysen von über 200 kultivierten und Wildsorten in Europa und im Südkaukasus rekonstruiert und das Gen identifiziert, das für den Übergang der Pflanze von der Wild- zur Kulturrebe entscheidend gewesen sein könnte. Dieses Gen ist für die Zunahme der Größe und die Veränderung der Beerenmorphologie verantwortlich, wodurch die Traube für den menschlichen Verzehr attraktiver und für die Weinherstellung besser geeignet wurde.

In älteren Studien war noch davon ausgegangen worden, dass die heutigen europäischen Weinreben ausschließlich aus der Domestizierung europäischer Wildreben resultierten, unabhängig von den Domestizierungsprozessen in Westasien. Die aktuellen Analysen zeigen jedoch, dass alle heute in Europa kultivierten Rebsorten durch Domestizierung im südlichen Kaukasus (heutiges Georgien, Armenien und Aserbaidschan) entstanden sind, zunächst vor etwa 4000 Jahren als Tafeltrauben und dann als Weintrauben, bevor sie sich nach Westen zum Mittelmeer bewegten und dann nach Südeuropa gelangten, wo sie sich mit einheimischen Rebsorten kreuzten.

Die Forscher vermuten, dass diese Kreuzungen den Reben halfen, die kälteren Winter in Europa zu überleben und sich mit den verschiedenen einheimischen Sorten Europas zu den heute bekannten europäischen Sorten entwickelten. Einmal etabliert, wurden die Trauben auf größere und schmackhaftere Früchte gezüchtet.

Die Forscher fanden in den wilden Trauben des Kaukasus auch ein Enzym, das in den europäischen Sorten nicht vorhanden war. Das Enzym ist dafür bekannt, dass es die Produktion eines Wachstumshormons anregt. Bei wilden Trauben sorgen diese Hormone dafür, dass die Kerne verhältnismäßig groß werden – Trauben, die kleinere Kerne produzieren, sind jedoch sowohl für den direkten Verzehr als auch für die Weinherstellung besser geeignet. Das Fehlen des Hormons deutet darauf hin, dass die Reben aus Westasien erst nach der Domestizierung im Kaukasus nach Europa gelangten und sich mit den dort heimischen Wildreben vermischten.

Nature/Winenews/fh - Jan 2022

Eine der wichtigsten Neuerungen für den Weinsektor im Jahr 2022 ist die amtliche Zulassung der vollständigen oder teilweisen Entalkoholisierung von Weinen. Bei der Festlegung dieses neuen Rechtsrahmens, der am 6. Dezember 2021 verabschiedet wurde, hat sich die EU auf die Arbeiten der internationalen Organisation für Rebe und Wein OIV gestützt, insbesondere auf die Resolutionen OIV-ECO 523-2016, OIV-ECO 433-2012 und OIV-ECO 432-2012. Von nun an kann die obligatorische Bezeichnung der Produktkategorie («Wein», «Schaumwein» und «Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure») durch die Begriffe «entalkoholisiert» oder «teilweise entalkoholisiert» ergänzt werden (italienisch: „dealcolizzato“ oder „parzialmente dealcolizzato“). Die vollständige Entalkoholisierung ist auf Weine ohne Ursprungsbezeichnung oder geografische Angabe beschränkt.

Gemäß den Empfehlungen der OIV (OIV-OENO 394A-2012) sind die zugelassenen Entalkoholisierungsverfahren zur teilweisen oder nahezu vollständigen Verringerung des Ethanolgehalts in diesen Produkten die partielle Vakuumverdampfung und/oder Membranverfahren und/oder die Destillation.

Teatronaturale/fh - Jan 2022

Die EU hat ein Forschungsprojekt zur Suche nach Xylella-resistenten oder -toleranten Olivensorten ausgeschrieben. Dem Gewinner der am 18. Oktober 2021 endenden Ausschreibung sollen für einen Zeitraum von 35 Monaten 56 487,20 Euro zur Verfügung gestellt werden. Ziel ist die Entdeckung weiterer widerstandsfähiger Olivensorten neben den bereits dafür bekannten Leccino und Favolosa.

Teatronaturale/fh - Okt 2021