Merum setzt sich seit bald 25 Jahren für italienische Qualitätsöle ein. Das Merum Dossier Olivenöl erfreut sich wie der Merum Taschenführer Olivenöl breiter Anerkennung. Merum geht es aber nicht nur darum, für seine Leser ein paar italienische Topöle zu selektionieren. Wenn wir das Interesse der Öffentlichkeit auf die Qualitätsproduktion lenken, dann auch aus einem anderen Grund: Nur wenn für Olivenöl ein guter Preis bezahlt wird, können auch die Oliven angemessen vergütet werden. Solange Oliven aber unterbezahlt bleiben, wird die Zahl der Olivenbauern zurückgehen und die Verwahrlosung der Olivenhaine zunehmen.

Während ein großer Teil der italienischen Ölproduktion immer noch große Mühe hat, sich vom Mittelalter zu lösen, streifen von Norden bis Süden eine wachsende Zahl von Unternehmern die Fesseln der Tradition ab, investieren in qualitätsorientierte Technologie und bringen bewundernswerte Öle hervor. Das ist großartig! Denn wir sind überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, der Olivenhainen und Betrieben Zukunftsperspektiven bietet. Die mediterranen Kulturlandschaften können nur erhalten werden, wenn Qualität nicht länger Luxus ist, sondern von den Produzenten als Pflicht verstanden, und von den Verbrauchern vorausgesetzt wird.

 

Abfüller oder Produzent? Transparenz!

Die Grenzlinie zwischen handwerklichen Produzenten (Olivenbauer oder Ölmühle) und kommerziellen Abfüllern muss klar und unmissverständlich sein. Aus diesem Grund bitten wir die Produzenten, Farbe zu bekennen und öffentlich zu machen, dass sie kein Öl zukaufen. In der Selezione Olio finden die Leser bei den handwerklichen Produzenten dieses Symbol: . Die Liste mit den Transparenzerklärungen für die 2016er Öle finden Sie auf www.merum.info.

 

Kleinstmengen

Merum nimmt kompromisslos Stellung für Olivenhaine und die Menschen, die sie bewirtschaften. Deshalb fühlen wir uns auch zu Kritik befugt:

Manche Produzenten bringen wahre Kunstwerke von Ölen hervor. Sie zeigen eindrucksvoll, was mit Oliven möglich ist. Oft werden solche Meisterwerke allerdings nur in Kleinstmengen erzeugt. Doch wem nützt es, wenn ein paar Dutzend Liter eines traumhaften Elixiers sozusagen unter Laborbedingungen entstehen und nur wenige Menschen in dessen Genuss kommen?

Es besteht ein Konflikt zwischen diesen mit aller Liebe und Sorgfalt erstellten Minimengen und kommerzieller Logik. Es mag für den Ölproduzenten schön sein, wenn er für die 120 Liter einer raren Sorte oder einer speziellen Cuvée in den Ölführern Höchstnoten erhält. Für die Leser und Käufer ist die Auszeichnung jedoch von geringem Nutzen, da sie wenig Chancen haben, dieses Öl je genießen zu können.

Für manche der besten Öle gehen bei uns immer wieder mal Mitteilungen von Lesern ein, dass die Öle gar nicht erhältlich seien. Das ist für die Kunden frustrierend.

Merum muss nützlich sein für die Leser. Es ist deshalb nicht sinnvoll, wenn wir zwar großartige, aber in der Praxis nicht verfügbare Ölkreationen promoten. Deshalb werden wir ab der nächsten Ausgabe Muster von Ölen mit einer Verfügbarkeit von weniger als 250 Liter nicht mehr bewerten.

 

Sonderabfüllungen für die Ölführer

Große Sorgen bereitet uns die Praxis mancher Produzenten, gewisse Topöle eigens für strategische Verkostungen zu kreieren – beim Wein als „Fässchen für die Weinführer“ bekannt. Mit diesen Etiketten räumen sie Preise ab, holen sich Höchstbewertungen und erregen das Interesse von Publikationen aller Art. Wir wissen von Fällen, in denen solche Privatfüllungen von externen Verkostern buchstäblich assembliert werden, und von anderen Fällen, in denen man sich eine kleine Charge von einer weit entfernten Topmühle herstellen, die eigentliche Produktion jedoch bei der üblichen Ölmühle pressen ließ.

Solange solche Spezialabfüllungen mit einem eigenen Etikett versehen werden, ist dagegen nichts einzuwenden. Wird jedoch ein und dasselbe Etikett für die Sonderabfüllung UND die Standardqualität verwendet, ist das Betrug.

In den letzten Jahren hat sich bei uns Merum-Redakteuren einiges aufgestaut. Uns frustriert, dass gewisse Produzenten die Wirkung guter Merum-Bewertungen für sich mit unlauteren Methoden in Anspruch nehmen. Durch diese Praxis wird unsere Arbeit sinnlos, da wertlos für die Leser. Ebenso schlimm ist, dass durch die genannten Praktiken die große Mehrheit der Betriebe, die nicht für die Kritiker, sondern für ihre Kunden produziert, benachteiligt wird.

Um sicherzustellen, dass die für die Degubox gelieferten Öle qualitativ mit den für die Merum Selezione verkosteten vergleichbar sind, werden sie von uns seit Jahren sensorisch geprüft, bevor sie an die Abonnenten verschickt werden.

 

Tolerable und inakzeptable Gepflogenheiten

Da nicht alle Produzenten über große Tanks verfügen und da manche bereits während der Produktion abfüllen, kann es von einem Öl mehrere Abfüllchargen mit unterschiedlichen Losnummern geben. Dass es zwischen den einzelnen Chargen geringfügige sensorische Unterschiede geben kann, muss toleriert werden. Nicht akzeptabel ist es hingegen, wenn unter demselben Etikett Öle mit deutlichen Qualitätsunterschieden angeboten werden.

Wir versprechen den Ölproduzenten wie unseren Lesern, in dieser Sache wachsam zu bleiben!

 

Lamporecchio, März 2017

 

 

 

Andreas März                                                         Jobst von Volckamer