Das Chianti-Classico-Weingut Isole e Olena in San Donato in Poggio wird zukünftig von Franzosen kontrolliert. Die ehemalige Besitzerfamilie De Marchi hat das 1956 gegründete Unternehmen mit 56 Hektar Rebfläche an die französische Holding EPI verkauft, die mehrere Champagner-Marken und seit Ende 2016 auch das Brunello-Weingut Biondi-Santi in Montalcino besitzt. Paolo De Marchi, der Isole e Olena über 40 Jahre lang führte, wird dem Weingut weiterhin als Önologe zur Verfügung stehen. Die Geschäfte führt nach dem Verkauf Giampiero Bertolini, der auch Biondi-Santi vorsteht.
Das von Paolos De Marchis Sohn Luca geführte Weingut Proprietà Sperino im nordpiemontesischen Lessona bleibt weiterhin im Besitz der Familie.

Winespectator/Winenews/fh - Jun 2022

Das Konsortium des Chianti DOCG hat eine Reihe von Änderungen der Produktionsregeln beschlossen: Die wichtigste Neuerung betrifft die Rebsortenzusammensetzung. So wird der Mindestanteil der Leitsorte Sangiovese von 70 auf 60 Prozent abgesenkt. Dies gilt auch für die Unterzone Colli Senesi, die bisher mit 75 Prozent einen höheren Mindestanteil Sangiovese hatte als der Rest der Appellation Chianti. Mit dem Sangiovese verschnitten werden dürfen weiterhin unzählige Rebsorten. Beschränkungen bestehen aber für Cabernet Sauvignon und/oder Cabernet Franc mit zusammen maximal 15 Prozent (Colli Senesi: 10%) sowie für die weißen Sorten mit insgesamt höchstens zehn Prozent. Für alle übrigen roten Sorten sind 40 Prozent Anteil möglich: Auch ein Wein aus 60 Prozent Sangiovese und 40 Prozent Merlot darf künftig Chianti heißen.
Die Regionalregierung der Toskana gab diesem Änderungsantrag des Konsortiums statt und erteilte auch ihre Zustimmung für die Einführung der neuen Unterzone Terre di Vinci, die die Gemeinden Vinci, Fucecchio, Capraia e Limite und Cerreto Guidi umfasst.
Der ebenfalls vom Konsortium gewünschten Einführung einer „Gran Selezione“ als höchste Qualitätskategorie für den Chianti DOCG gab die Regionalregierung keine Zustimmung. Das Konsortium des Chianti Classico DOCG hatte eine gleichnamige Kategorie schon 2014 eingeführt und opponiert gegen die Verwendung desselben Namens für den Chianti DOCG, seit die Pläne dafür bekannt wurden. Aktuell liegt ein Antrag auf Markenschutz für die Gran Selezione des Chianti Classico beim Landwirtschaftsministerium in Rom.

Toscananotizie/Gamberorosso/fh - Mai 2022

Wissenschaftler der Aristoteles-Universität Thessaloniki haben bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Philippi in Nordwestgriechenland Belege für Weinkonsum in Europa vor über 6000 Jahren gefunden. In den Ruinen einer um 4300 v. Chr. abgebrannten Behausung stießen sie dank der sogenannten Flotationsmethode auf Überreste von Traubenkernen und Trester. Bei der Flotation werden Ablagerungen in Wasser gelöst und Fragmente der enthaltenen Materie schwimmen an der Oberfläche auf. Ob die Trauben, deren Reste gefunden wurden, kultiviert oder als Futtermittel genutzt wurden, lässt sich nach Angaben der Archäologen nicht zweifelsfrei klären, doch beweise der Fund, dass Wein Teil der Ernährung und des Lebens der Menschen im frühbronzezeitlichen Griechenland gewesen sei. Nach Griechenland könnte der Weinbau über den Nahen Osten aus Georgien gekommen sein, wo er schon etwa zwei Jahrtausende früher betrieben wurde. Möglich wäre aber auch, dass er sich vor Ort in Griechenland im gleichen Zeitraum selbst entwickelt habe.

TheDrinksBusiness/Winenews/fh - Mai 2022

In Frankreich sorgt eine Untersuchung des Weinmagazins Vitisphere für Aufsehen, nach der drei Viertel der untersuchten ohne Schwefelzusatz vergorenen Weine deutliche Fehler aufwiesen. Edoard Pelonnier-Magimel vom Reb- und Weinforschungsinstitut der Universität Bordeaux kaufte gemeinsam mit Studenten seines Lehrstuhls in Enotheken, Supermärkten oder direkt beim Erzeuger 52 Bordeaux-Weine der Jahrgänge 2015 und 2016, die laut Etikett ohne zugesetzte schweflige Säure erzeugt worden waren. Als Vergleichsgruppe für die Blindverkostung wurden auch Weine gekauft, die diesen in Sachen geographischer Herkunft, Preisklasse und Holzausbau sehr ähnlich waren, aber geschwefelt wurden.
In einem ersten Schritt maß man den SO2-Gehalt der 52 angeblich ungeschwefelten Weine, wobei nur 43 Weine den gesetzlichen Grenzwert von 10 Milligramm pro Liter einhielten. Vier Weine enthielten sogar mehr als 30 Milligramm pro Liter und wurden von der Verkostung ausgeschlossen. In der anschließenden Blindverkostung mit acht Verkostern wurden 75 Prozent der Weine ohne Schwefelzusatz von mindestens drei Verkostern als fehlerhaft beurteilt. Die meisten davon (61 Prozent) waren oxidiert, ein Viertel wies Brettanomyces-Noten auf und 14 Prozent mäuselten. Bei den geschwefelten Weinen wurde hingegen nur ein Viertel des Jahrgangs 2015 beanstandet, beim Jahrgang 2016 wies keiner Fehler auf.

Vitisphere/fh - Mai 2022

Die italienische Polizei hat in der apulischen Provinz Foggia 3,3 Millionen Liter falsch deklarierten Wein und Most der Herkunftsangabe Puglia IGP beschlagnahmt und gegen 14 Personen Ermittlungen wegen Handelsbetrugs und Urkundenfälschung eingeleitet. Vier Weinbaubetriebe sollen mit falschen Angaben zu Rebsorten und Herkunftsbezeichnung einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Die Ermittler gaben an, im Vorfeld auch mit Hilfe von Luftbildaufnahmen Unstimmigkeiten zwischen den angebauten und den tatsächlich an Abfüllbetriebe gelieferten Traubensorten festgestellt zu haben.

Gamberorossa/fh - Mai 2022

Das Amt der Europäischen Union für Markenschutz Euipo hat Bulgarien Ende März die Nutzung des Namens Bolgaré für alkoholische Getränke untersagt und damit für Zufriedenheit beim Konsortium der toskanischen Appellation Bolgheri gesorgt. Als Domaine Boyar, eine der größten Weinkellereien Bulgariens, im Jahr 2017 die sehr ähnlich klingende Marke Bolgaré registrieren lassen wollte, legte das toskanische Konsortium sofort Widerspruch ein, dem zunächst nicht stattgegeben wurde. Im zweiten Anlauf gab die Behörde nun den Italienern recht und bestätigte, dass der Markenname Bolgaré zu stark der Appellationsbezeichnung Bolgheri ähnele und damit Verwechslungsgefahr bestehe.

Gamberorosso/fh - Mai 2022

Die erste vollumfängliche Ausgabe der Weinmesse Vinitaly seit Pandemiebeginn brachte eine Rekordteilnahme ausländischer Besucher mit sich. 25 000 von insgesamt 88 000 Besuchern an der 54. Ausgabe der Veroneser Weinmesse kamen aus dem Ausland, die meisten davon aus den USA und Deutschland. Der Anteil der aus 139 Ländern stammenden ausländischen Gästen lag damit bei 28 Prozent. Daran konnte auch das Fehlen von 5000 Einkäufern aus China, Japan und Russland nichts ändern, die aus pandemiebedingten oder politischen Gründen nicht teilnehmen konnten.
Ein weiterer Trend zeichnet sich nach Angaben der Messeleitung mit einer gesteigerten Teilnahme von Ausstellern aus dem Süden Italiens ab, deren Anzahl sich der der Aussteller aus Norditalien annähert.

Veronafiere/fh - Mai 2022

Die zur Herstellung von Amarone verwendete Technik des Antrocknens von Trauben, italienisch appassimento, soll immaterielles Weltkulturerbe werden. Die Einreichung des entsprechenden Antrags gab das Konsortium der Valpolicella-Weine anlässlich der Weinmesse Vinitaly bekannt. Bei der seit Jahrhunderten verwendeten Methode des appassimento werden die Trauben für circa drei Monate getrocknet, wobei sie 30 bis 50 Prozent ihres ursprünglichen Gewichts verlieren und sich ihre Aromen konzentrieren. Die einzige direkt mit Weinbau in Zusammenhang stehende Technik aus Italien, die 2014 eine Anerkennung als immaterielles Kulturerbe erhalten hat, ist die auf der Insel Pantelleria angewandte Reberziehungsmethode Alberello.

Winenews/fh - Mai 2022

Die Tommasi Family Estates (Pedemonte di Valpolicella), bereits mit sieben Weingütern in fünf italienischen Regionen präsent, erweitert ihr Portfolio mit dem Zukauf eines Weinguts am Ätna. Das auf 570 Metern Meereshöhe in Linguaglossa gelegene Weingut mit 15 Hektar Rebfläche der weißen Sorte Carricante und der roten Nerello Mascalese erwarb Tommasi von der aus Taormina stammenden Hotelier-Familie Bambara-De Luca. Damit verfügt Tommasi nun über insegsamt 780 Hektar Rebfläche in ganz Italien.

Winenews/fh - Mai 2022

Das Marktforschungsinstitut IRI hat anlässlich der Vinitaly in Verona Zahlen zu den meistverkauften italienischen Weinen 2021 im Einzelhandel vorgelegt. Auf Platz Eins liegt der Chianti mit rund 15,3 Millionen Litern (+3,7% gegenüber 2020) und einem Verkaufswert von 83,3 Millionen Euro. Auf Platz zwei findet sich der Lambrusco, der allerdings beim Volumen mit 13 Millionen Litern (-6,7%) und auch beim Verkaufswert mit 49 Millionen Euro (-5,7%) Einbußen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen hat. Stabil zeigt sich auf dem dritten Platz der Montepulciano d’Abruzzo mit neun Millionen Litern Verkaufsvolumen und 37 Millionen Euro Wert.
Einen beeindruckenden Senkrechtstart legt der Vermentino aus Sardinien, Toscana und Ligurien hin, der mit einer Steigerung um 22 Prozent auf 8,3 Millionen Liter Volumen und um 25,5 Prozent auf 58 Millionen Euro beim Verkaufswert auf Platz fünf steigt. Deutliche Zuwächse beim Volumen (+16%) und Verkaufswert (+17%) zeigt auch der Valpolicella (inklusive Ripasso), der mit einem mittleren Flaschenpreis von 6,- Euro auch der teuerste unter den Supermarktweinen ist. Den niedrigsten mittleren Flaschenpreis unter den ersten 15 Platzierten weist mit gerade mal 2,86 Euro der Lambrusco auf.
Die insgesamt stärksten Zuwächse beim Verkaufsvolumen jenseits der Top 15 verzeichnen Lugana und Amarone mit über 30 Prozent bei den Stillweinen sowie Moscato (+29%) und Prosecco (+22%) bei den Perl- und Schaumweinen. Insgesamt ist ein Schaumweintrend zu erkennen, deren Gesamtvolumen um 18 Prozent und Verkaufserlöse um 20 Prozent gestiegen sind.

IRI/Teatronaturale - Mai 2022