Rund 80 Prozent der Olivenfliegenpopulationen des spanischen Festlands sind einer Ende September veröffentlichten Studie der Universität Complutense Madrid zufolge immun gegen die gängigsten Insektizide. Damit sind auf Organophosphorverbindungen und Phosphorsäureestern basierende, synthetische Insektizide wie Chlorpyrifos und Dimethoat gemeint, die in den 60er-Jahren noch sorglos und unreglementiert auf großer Fläche eingesetzt wurden, seit 2020 in der Europäischen Union aber verboten sind.
Ob die Insekten aus superintensiven Riesenplantagen oder biologisch bewirtschafteten Olivenhainen stammten, machte nach Angaben der Wissenschaftler keinen Unterschied im Hinblick auf die Insektizidresistenz. Ebenso war kein Unterschied zwischen den verschiedenen spanischen Festlandsregionen zu verzeichnen. Insgesamt wurden Olivenfliegenpopulationen aus zwölf spanischen und zwölf weiteren Regionen in fünf Mittelmeeranrainerstaaten untersucht.
Das Problem ist nicht auf Spanien beschränkt. Zwar tritt das Phänomen in keinem Land so großflächig auf wie in Spanien, doch entdeckten die Forscher auch bei vereinzelten Populationen in Italien Resistenzwerte von bis zu 95 Prozent.
In Israel und Portugal lagen die Werte bei 50 Prozent, während bei den Olivenfliegenpopulationen in Tunesien und auf den Balearischen Inseln nahezu keine Resistenzen gegen Insektizide festgestellt wurden.

Oliveoiltimes/fh - Nov 2020

In Frankreich ist seit Anfang September nach Korsika und Provence-Alpes-Côte d‘Azur eine dritte Region vom Bakterium Xylella fastidiosa betroffen. In Okzitanien, genauer im Département Aude nahe der Stadt Carcassonne, wurden Lavendelpflanzen positiv auf die Unterart multiplex getestet.
Diese ist für Weinreben ungefährlich und stellt eher ein Risiko für Steinobstgewächse wie Aprikose, Kirsche, Pfirsich, Mandel und Pflaume dar. Sie kann auch Olivenbäume befallen (Okzitanien zeichnet für ein Viertel der französischen Olivenöl- und die Hälfte der Tafelolivenproduktion verantwortlich), hat dabei aber bei weitem nicht die verheerende Wirkung wie die in Apulien vorherrschende Unterart pauca. Die Unterart multiplex wurde in Europa bisher in verschiedenen Ausprägungen (strain types, siehe Xylella-FAQ in Merum 4/2020) in der Toskana (Monte Argentario, ST 87), in Korsika, der Provence und Portugal (verschiedene Stämme) sowie in Spanien (Festland ST 6, auf Mallorca auch ST7) entdeckt und gilt als besonders mutationsfreudig.
Die Präfektur des Départements Aude ordnete, der neuen europäischen Gesetzgebung folgend (siehe Seite 50), die Rodung aller potenziellen Wirtspflanzen in einem Umkreis von 50 Metern um die Fundstätte sowie die Einrichtung einer 2,5 Kilometer breiten Pufferzone an.

Agriculture.gouv.fr/Oliveoiltimes/Vitisphere/fh - Nov 2020