Die Ernteprognosen für die Länder des Mittelmeerraums beunruhigen die Märkte.
Für Italien sagten Coldiretti und Unaprol in ihrer ersten Schätzung Mitte September einen Rückgang um 30 Prozent gegenüber der letzten Olivenölproduktion voraus. Dieser ist hauptsächlich einer stark gesunkenen Produktion im Süden des Landes geschuldet, die durch leichte Produktionszuwächse in den Regionen des Nordens und Zentrums nicht aufgefangen werden kann. Als Gründe für den Rückgang werden Frühjahrsfröste, Trockenheit und der durch das Bakterium Xylella fastidiosa unproduktiv gemachte Salento genannt.
Spanien wird ersten Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums zufolge sogar die schlechteste Olivenernte der letzten zwanzig Jahre erleben. Es wird mit einer Gesamterzeugung von 778 000 Tonnen Olivenöl gerechnet, was einem Rückgang von 50 Prozent gegenüber dem letzten Jahr und 35 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre entspricht. Alle Regionen des weltweit größten Erzeugerlandes für Olivenöl sind betroffen, aber der rekordverdächtige Rückgang wird vor allem durch die starken Verluste in der produktionsstärksten Region Andalusien verursacht, wo sich die Produktion fast halbieren wird (-48,9 Prozent gegenüber der Vorsaison).
Im Nachbarland Portugal wird ebenfalls ein starker Rückgang in der Olivenölproduktion erwartet (-30 Prozent).
Auch in Tunesien, nach der EU weltweit zweitgrößter Exporteur von Olivenöl, rechnen die Behörden mit einer schlechteren Olivenernte. Aufgrund von Trockenheit und Hitzewellen wird eine Erntemenge von 200 000 Tonnen Olivenöl erwartet, was einem Rückgang um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (22 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt).
Andrea Carrassi, Direktor des Verbandes der italienischen Ölindustrie Assitol, kommentierte die Situation aus italienischer Sicht: „Das Missverhältnis zwischen Verbrauch und Produktion ist so groß, dass wir im nächsten Sommer möglicherweise nicht mehr genug Öl für die Regale des Einzelhandels haben werden.“
Neben der Verknappung der Rohstoffe stellen die steigenden Energiepreise und die damit einhergehende Erhöhung der Produktionskosten und Verbraucherpreise ein Problem dar. „Der Umgang mit der komplexen Situation», so Carrassi, „erfordert ein großes Verantwortungsbewusstsein der gesamten Lieferkette, von der landwirtschaftlichen Produktion über uns Industrielle bis hin zum Großhandel. Aus diesem Grund halten wir es in einer Zeit, in der Olivenöl zu einer seltenen Ware wird, für ratsam, nicht ständig auf Sonderaktionen zurückzugreifen, die das Vertrauen der Verbraucher in den gesamten Olivenölsektor schädigen.“

Agronotizie/Teatronaturale/fh - Okt 2022

Der Anteil des weltweit gehandelten Olivenöls aus superintensiven, komplett mechanisierten Olivenhainen beträgt einem Bericht des spanischen Pflanzenzuchtunternehmens Agromillora zufolge 14 Prozent. Zieht man nur die als Extra Vergine etikettierten Olivenöle in Betracht, beträgt der Anteil an der weltweiten Produktion sogar 36 Prozent. Der Anteil dieser Superintensivanlagen an der weltweiten Anbaufläche für Oliven liegt hingegen bei gerade mal drei Prozent: 400 000 von 11,6 Millionen Hektar. Zu erklären ist dies durch die extrem hohe Pflanzdichte der Superintensivanlagen mit bis zu 1600 Olivenbäumen pro Hektar, die im Abstand von eins bis 1,5 Metern in heckenartigen Reihen gepflanzt werden, die wiederum drei bis vier Meter voneinander entfernt sind. Daneben wird bei der Auswahl der angebauten Sorten vor allem auf solche mit einer hohen Ölausbeute gesetzt.
Der Bericht weist zudem auf die wirtschaftliche Effizienz und die Zahl geschaffener Arbeitsplätze in strukturarmen ländlichen Gegenden hin, blendet Umweltfragen aber weitestgehend aus oder stellt sie einseitig dar. So fand zum Beispiel eine Studie der Universität Jaén von 2021 heraus, dass traditionell bewirtschaftete Olivenhaine mehr CO2 binden als intensive und superintensive Anlagen. Weitere Studien der Vergangenheit beleuchteten die Gefährdung der Artenvielfalt durch immer ausgedehntere Monokulturen und auch das früher gebräuchliche nächtliche Ernten mit Vollerntern, dem Zugvögel zum Opfer fielen. Die spanische Forschungsagentur CSIC wies zudem auf die Gefahr der Wüstenbildung durch maßlosen Grundwassergebrauch in der Region Andalusien hin.

Agromillora/Oliveoiltimes/Teatronaturale/fh - Okt 2022

Wissenschaftler der iranischen Universität Shiraz haben in einer Patientenstudie untersucht, ob und inwiefern Olivenöl eine antidepressive Wirkung hat. In der randomisiert-kontrollierten Studie nahmen 73 Patienten mit Depression für 52 Tage täglich 25 Milliliter Olivenöl oder – in der Kontrollgruppe – Sonnenblumenöl ein. Während sich bei den Patienten mit leichter und mittlerer Depression kein Effekt bei Konsum beider Ölarten zeigte, konnte für die Patienten mit schweren Depressionssymptomen eine klinisch und statistisch signifikante Besserung verzeichnet werden, wenn sie Olivenöl zu sich nahmen.

DGP/fh - Okt 2022

Der nationale Forschungsrat CNR gab am 7.Oktober 2022 in einer Pressemitteilung die erfolgreiche Entwicklung eines elektronischen Biosensors zur Erkennung mit Xylella infizierter Pflanzen bekannt. Die verwendete Einzelmolekül-Transistortechnologie (SiMoT) ermöglicht den Forschern zufolge den schnellen und genauen Nachweis auch eines einzelnen Bakteriums in Pflanzen, die noch keine Krankheitssymptome ausgebildet haben.
„Der hochempfindliche Nachweis von Xylella fastidiosa beruhte bisher auf molekularen Nachweistests, die auf die DNA des Bakteriums selbst abzielen. Solche Analysen erfordern jedoch eine entsprechende Laborinfrastruktur und eine Analysezeit von mindestens drei Stunden. Die innovative elektronische Plattform, die das Forscherteam aus Bari vorgeschlagen hat, würde dagegen den Nachweis des Bakteriums in nur 30 Minuten direkt vor Ort ermöglichen», so Luisa Torsi, Professorin für analytische Chemie an der Universität Bari und Vizepräsidentin des wissenschaftlichen Rates des CNR, die die Forschung koordiniert hat.
Von der neuen Diagnosetechnik erhofft man sich Einsparungen bei der Überwachung und Verbesserungen der Wirksamkeit von Eindämmungsmaßnahmen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Advanced Science publiziert und ist hier frei einsehbar.

CNR/fh - Okt 2022

Nach der Verwendung in der Küche nicht ordnungsgemäß entsorgtes Öl stellt eine Gefahr für die Umwelt dar, wenn es über das Abwasser ins Meer gelangt. Da es eine Art Filter an der Wasseroberfläche bildet, hindert es die Sonnenstrahlen daran, den Meeresgrund zu erreichen. Die kampanischen Gemeinden Sorrento und Amalfi haben nun Initiativen zum Recyclen benutzten Öls ins Leben gerufen.
Bewohner und Restaurateure, die ihr benutztes Öl dem örtlichen Entsorgungsunternehmen bringen, erhalten für zehn Liter gebrauchtes Öl einen Liter neues Olivenöl. Dafür stellen die Gemeinden den Bewohnern auch spezielle Behälter zur Verfügung, in denen sie das Öl sammeln können.
In Italien fallen jedes Jahr 260 000 Tonnen gebrauchtes Pflanzenöl an. Der Anteil wiederaufbereiteten Öls ist die letzten Jahre gestiegen, von 15 000 Tonnen im Jahr 2008 auf 76 000 Tonnen im Jahr 2018. Zu den originellsten Recycling-Initiativen gehört sicher auch die Nutzung auf Altöl basierender Biokraftstoffe, die seit 2018 in zunehmendem Maße zum Betrieb der Motorschiffe (Vaporetti) in Venedig benutzt werden.

Oliveoiltimes/fh - Okt 2022

Die französische Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (Direction générale de la Concurrence, de la Consommation et de la Répression des fraudes, DGCCRF) hat Ende August die Ergebnisse einer groß angelegten Kontrollkampagne im Olivenölsektor bekanntgegeben. Demnach war die Hälfte aller Öle der kontrollierten Produktkategorien Extra Vergine und Vergine nicht regelkonform.
Mehr als ein Drittel der fast 180 kontrollierten Betriebe wiesen Anomalien auf. Die meisten betrafen das Fehlen oder fehlerhafte Anwendung der vorgeschriebenen Etikettierungsangaben. Es wurden auch irreführende Handelspraktiken in Bezug auf den Ursprung und die Qualitätsstufe der Erzeugnisse beobachtet, die den Verbraucher in die Irre führen könnten (z. B. Oliventresteröl, das als natives Olivenöl extra verkauft wird, oder Öl, das fälschlicherweise als lokales Erzeugnis beworben wird).
Die DGCCRF führte außerdem 97 Probeentnahmen durch, um die Angaben zur Produktqualität zu überprüfen. 48 Prozent der untersuchten Olivenöle wurden am Ende der durchgeführten Analysen für nicht regelkonform erklärt, da sie nicht die Kriterien der jeweiligen Kategorie erfüllten und sensorische Mängel aufwiesen. Gegen die überführten Betriebe wurden Strafmaßnahmen eingeleitet, nicht zum Verzehr geeignete Öle herabgestuft oder der industriellen Wiederverwendung außerhalb des Lebensmittelsektors zugeführt.

Teatronaturale/fh - Sep 2022

Nach der letzten Überarbeitung des Lebensmittelkennzeichnungssystems Nutriscore am 29. Juli 2022 wurden einige Lebensmittel und Speisen der mediterranen Diät vorteilhafter eingestuft als zuvor. Vor allem Olivenöl gilt nun nicht mehr als „böses“ Fett, sondern erhielt ein hellgrünes B (=gut), die zweitbeste gesundheitliche Bewertung auf der fünfstelligen Skala Nutriscore.
Der wissenschaftliche Ausschuss, der sich aus Ernährungs- und Gesundheitsexperten aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und der Schweiz zusammensetzt, hat die Parameter für die Bewertung einiger Lebensmittel geändert, indem er nur noch diejenigen, die reich an gesättigten Fetten sind, und nicht mehr auch alle pflanzlichen Öle negativ bewertet. Technisch gesehen wird nicht mehr die durch den Verzehr eines Pflanzenöls gewonnene Energie berücksichtigt, sondern nur noch der Anteil der gesättigten Fette, die schlecht für das Herz-Kreislauf-System sind.
Neben den Ölen wurden auch die Bewertungskriterien einer Reihe anderer Lebensmittel geändert: besser, wenn sie Ballaststoffe und Proteine enthalten, und schlechter, wenn sie Zucker oder Salz enthalten. Durch den neuen Bewertungsalgorithmus haben auch folgende Lebensmittel grünes Licht erhalten, also mindestens ein B (=gut) auf der Lebensmittelampel:
Fisch: Für alle Fische, einschließlich fettem Fisch, wird die Bewertung, aufgrund der Überarbeitung des Proteinparameters erhöht; Vollkorn: Es wird zwischen Lebensmitteln aus Vollkorn und raffinierten Körnern unterschieden, wobei erstere aufgrund ihres Ballaststoffgehalts einen Nutriscore-Vorteil haben; Käse: Einige harte und halbharte Käsesorten mit mäßigem Salzgehalt schneiden besser ab als im alten Algorithmus, was auf Änderungen beim Proteinparameter zurückzuführen ist.
Verschlechtert hat sich hingegen der Nutriscore-Wert folgender Produkte: Zuckerhaltige Produkte: Süßigkeiten und Produkte mit hohem Zuckergehalt, wie z. B. bestimmte Frühstückscerealien, werden herabgestuft; salzige Produkte: Lebensmittel mit übermäßigem Salzzusatz werden am stärksten herabgestuft; rotes und verarbeitetes Fleisch: Diese Lebensmittel werden im Allgemeinen schlechter bewertet als weißes Fleisch und Fisch.
Der endgültige Startschuss für den neuen Algorithmus der nach wie vor umstrittenen Lebensmittelampel wird voraussichtlich im Dezember fallen. Die Hersteller werden dann einige Monate Zeit haben, um ihre Etiketten an die neue Norm anzupassen.
Die nächste Überarbeitung des Nutriscore-Algorithmus ist in drei Jahren vorgesehen, aber politische Forderungen nach einer einheitlichen Nährwertkennzeichnung für ganz Europa könnten diesen Prozess beschleunigen. Die jetzt beschlossenen bedeutenden Änderungen zeigen jedoch, dass der Nutriscore-Algorithmus noch nicht voll ausgereift ist und viele Korrekturen und Anpassungen benötigt, bevor er als zuverlässig und universell anwendbar betrachtet werden kann.

Teatronaturale/fh - Sep 2022

Die EU sorgt mit einer Änderung der Verordnung zur Olivenölproduktion für Ärger unter den Produzenten. Nach der EU-Verordnung 2117/2021 darf Extra Vergine Olivenöl, das im September hergestellt wird, nicht als Erzeugnis der neuen Produktion etikettiert werden, sondern gilt als „altes“ Öl der vorherigen Ernte. In Artikel 6, Buchstabe f, der Verordnung wird als Wirtschaftsjahr festgesetzt: „1. Oktober bis 30. September des darauffolgenden Jahres für (…) Olivenöl.“ Im vorausgehenden Abschnitt e hingegen heißt es weiterhin unverändert: „1. September bis 31. August des darauffolgenden Jahres (…) in Bezug auf Tafeloliven“. Mit anderen Worten: Im September geerntete Oliven können als Tafeloliven der neuen Ernte vermarktet werden, Öl aus im September geernteten Oliven hingegen nicht.
Drei Möglichkeiten bleiben den Produzenten: 1.) Produktion einer einzigen Charge des gesamten im September produzierten Öls mit Kennzeichnung des Produktionsmonats (z.B. September 2022), aber ohne Verweis auf die aktuelle Ernte 2022/2023; 2.) Das Öl mit dem Hinweis auf das Öljahr 2021/2022 versehen (was die absurdeste Variante sein dürfte) oder 3.) das September-Öl mit Öl aus den in den Folgemonaten geernteten Oliven mischen, ohne Nennung des Erntejahrs.
Einige Bio-Erzeuger haben die Olivenernte auf den September vorgezogen, um dem Fliegenbefall zu entgehen, weil die Witterungsbedingungen eine frühere Ausreife der Oliven begünstigen oder um ein neues, sensorisch besonders intensives Öl zu produzieren. Mit der neuen Verordnung werden sich diese Produzenten veranlasst sehen, unabhängig von der Reife oder anderen Faktoren erst ab dem 1. Oktober mit der Ernte zu beginnen, um keine bürokratisch-administrativen Probleme zu bekommen und Bußgelder zu riskieren.

EU/Teatronaturale/fh - Sep 2022

In einer groß angelegten Operation in ganz Italien hat die Polizei mehrere Fälle von Ölbetrug aufgedeckt. Bei 183 Kontrollen im Rahmen der Operation „Verum et Oleum“ wurden insgesamt 2000 Tonnen gefälschtes Extra-Vergine-Öl beschlagnahmt. Die Ermittler hatten sowohl Ölmühlen als auch die wichtigsten Eingangsshäfen für Ölimporte kontrolliert. Von den entnommenen Proben entsprachen 2,3 Millionen Liter des als solches etikettierten Extra Vergine, also fast ein Drittel der kontrollierten Gesamtmenge, bestenfalls Vergine-Qualität. Ein Schwerpunkt der illegalen Aktivitäten soll sich nach Angaben des Magazins Teatronaturale in der Gegend um Spoleto in Umbrien befinden, wo gegen eine große Zahl von Verdächtigen ermittelt wird. Die Polizei beschlagnahmte neben dem gefälschten Öl auch Vermögenswerte in Höhe von 170 000 Euro, gegen die Verdächtigen wurden Geldstrafen in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro verhängt.

Teatronaturale/fh - Mai 2022

In einer archäologischen Ausgrabungsstätte an der marokkanischen Atlantikküste entdeckten Wissenschaftler Belege dafür, dass die dort ansässige Bevölkerung die Früchte wilder Olivenbäume als Nahrungsmittel nutzten. Die Kerne verwendeten sie genau wie das Holz als Brennstoff. Dies zeigen Funde in einer Höhle nahe der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Das vor Ort tätige internationale Forscherteam untersucht, welche Pflanzen der damals lebende frühe Homo sapiens sammelte, und war nach eigenen Angaben überrascht, in dieser Region Marokkos auf die Reste von Oliven zu stoßen, weil man bisher davon ausgegangen war, dass dort damals keine wuchsen.
Die Analyse des in der Höhle gefundenen Brennguts ergab, dass dieses zu drei Vierteln vom wilden Olivenbaum der Art Oleus europaea stammt. Zudem fanden die Forscher heraus, dass die als Feuerholz genutzten Zweige von Früchten befreit worden waren, während die direkt neben der Feuerstelle gefundenen Fruchtfragmente darauf hindeuten, dass die Oliven verspeist und anschließend die Kerne ins Feuer geworfen wurden.
Die Kultivierung des Olivenbaums zur gezielten agrarischen Nutzung begann nach heutigen Erkenntnissen erst vor rund 6000 Jahren im Neolithikum.

Oliveoiltimes/fh - Mai 2022