Xylella fastidiosa ist bereits seit den 1990er Jahren in Europa verbreitet, so das Ergebnis einer Studie im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts Xf-Actors, das sich mit dem Pflanzenbakterium beschäftigt. Dank genetischer Sequenzierung konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass das aus Amerika stammende Bakterium schon mehrfach in Italien, Spanien und Frankreich aufgetreten war, bevor es 2013 in Apulien entdeckt wurde, wo die Unterart pauca ST53 Olivenbäume befällt. Auf der Balearen-Insel Mallorca ist das Bakterium bereits seit Mitte der 1990er-Jahre mit verschiedenen Unterarten präsent, blieb aber jahrzehntelang unerkannt, auch weil die Symptome eines Befalls mit denen von anderen Schädlingen oder Trockenstress verwechselt wurden.

 

Ansa/Teatronaturale/fh - Jun 2021

Auf der Halbinsel Monte Argentario in der südlichen Toskana wurde Mitte März eine starke Zunahme von Xylella fastidiosa festgestellt. Das betroffene Gebiet umfasst etwa drei Hektar mediterrane Macchia zwischen Giannella, Orbetello und Orbetello Scalo. Die bereits im Dezember 2018 erstmals dort aufgetretene Unterart Xylella fastidiosa multiplex stellt im Gegensatz zur in Apulien vorherrschenden Subspezies pauca ST 53 keine Bedrohung für die Olivenbäume dar.
Die Region Toskana und die Gemeinde Orbetello haben bereits reagiert und die infizierten und alle weiteren Pflanzen im Umkreis von 50 Metern um den jeweiligen Wirt gerodet, wie es die geltenden EU-Gesetze vorschreiben. Zudem soll die 2,5 Kilometer breite Pufferzone rund um die Halbinsel noch strenger überwacht werden.

Infoxylella/fh - Mrz 2021

Spaniens Olivenölexporte in die Vereinigten Staaten sind 2020 um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das gab der spanische Landwirtschaftsverband Cooperativas agro-alimentarias Anfang März bekannt. Gründe für den dramatischen Niedergang der Ausfuhren sollen neben den im Oktober 2019 von der Trump-Administration eingeführten, 25-prozentigen Strafzöllen auf einige EU-Produkte – darunter Oliven und Olivenöl aus Spanien – auch eine um 250 000 Tonnen geringer als erwartet ausgefallene Olivenernte in Andalusien sein. Spanien sei damit bei den Exportzahlen auf den Stand der frühen 90er-Jahre zurückgefallen. Andere Länder haben hingegen von den US-Strafzöllen profitiert: So konnte Tunesien seine Ausfuhren nach Angaben US-amerikanischer Behörden um 700, Portugal sogar um 850 Prozent steigern.

Agro-Alimentarias/Oliveoiltimes/fh - Mrz 2021

In den Vorverhandlungen zum Gerichtsprozess in einem der größten Ölbetrugsfälle der Toskana haben sich Ende Juli die leitende Staatsanwältin Raffaella Capasso und 18 der 31 Angeklagten auf einen Vergleich geeinigt. Das dabei erzielte Strafmaß für die 18 Angeklagten, die einen Vergleichsantrag gestellt hatten, reicht von 10 000 Euro Geldstrafe bis zu zweijährigen Haftstrafen auf Bewährung.
Nach italienischem Recht gestehen die Angeklagten damit nicht ihre Schuld ein, akzeptieren aber die Strafe. Die übrigen Angeklagten, darunter Massimo Neri von der Kooperative Olma und Marcello Dragoni, damals Direktor der Montalbano Spa, setzen hingegen darauf, in einem noch zu terminierenden Gerichtsprozess ihre Unschuld beweisen zu können.
Die Untersuchungen hatten 2015 aufgrund eines Hinweises des Konsortiums IGP Toscano begonnen und schließlich zur Aufdeckung eines groß angelegten Herkunftsbetrugs geführt. So konnte mittels DNA-Test nachgewiesen werden, dass 20 000 Liter als IGP Toscano deklarierten Olivenöls aus Apulien und Griechenland stammten (siehe Merum 4/2016 und 3/2019).

Teatronaturale/fh - Dez 2020

Mit dem am 18. September veröffentlichten siebten Update der vergangenen Juni begonnenen, aktuellen Kontrollkampagne steigt die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen mit Xylella fastidiosa pauca ST 53 in der Eindämmungszone (zona di contenimento) im nördlichen Salento auf 67. Neben der Entdeckung von drei neuen Infektionsherden, einer davon nur wenige hundert Meter von der Grenze zwischen Eindämmungs- und Pufferzone entfernt, bereitet vor allem die stark gestiegene Zahl infizierter Olivenbäume (37) nahe Fasano in der sogenannten Piana degli Ulivi monumentali Sorge, wo eine Vielzahl bis zu tausend Jahre alter Olivenbäume wachsen.

Infoxylella/fh - Dez 2020

Nach der Entdeckung fünf neuer Infektionsherde an der Adriaküste bei Monopoli (Provinz Bari) wurde die zur Eindämmung des Pflanzenbakteriums Xylella fastidiosa pauca ST53 geschaffene Pufferzone am 12. November angepasst. Die Grenzen des Infektionsgebiets (zona infetta) und der sogenannten Eindämmungszone (zona contenimento) an dessen nördlichem Rand bleiben unverändert.
Die Pufferzone (zona cuscinetto) gehört nicht zum eigentlichen Infektionsgebiet, wird aber besonders intensiv überwacht, weil dieser zehn Kilometer breite Landstreifen eine Art letzte Barriere zum Infektionsgebiet bildet. Die fünf neuen Ausbrüche bei Monopoli liegen innerhalb dieser Pufferzone, wurden aber der aktualisierten europäischen Pflanzenschutzpolitik entsprechend als punktförmige Infektionsherde definiert. Das heißt, dass die infizierten Pflanzen und alle potenziellen Wirtspflanzen im Umkreis von 50 Metern gerodet werden müssen, während die Pufferzone nur um die neuen Infektionsherde bei Monopoli herum um knapp drei Kilometer nach Norden erweitert wurde. Der Rest der Pufferzone bleibt ebenfalls unverändert.

Agronotizie/fh - Dez 2020

Rund 80 Prozent der Olivenfliegenpopulationen des spanischen Festlands sind einer Ende September veröffentlichten Studie der Universität Complutense Madrid zufolge immun gegen die gängigsten Insektizide. Damit sind auf Organophosphorverbindungen und Phosphorsäureestern basierende, synthetische Insektizide wie Chlorpyrifos und Dimethoat gemeint, die in den 60er-Jahren noch sorglos und unreglementiert auf großer Fläche eingesetzt wurden, seit 2020 in der Europäischen Union aber verboten sind.
Ob die Insekten aus superintensiven Riesenplantagen oder biologisch bewirtschafteten Olivenhainen stammten, machte nach Angaben der Wissenschaftler keinen Unterschied im Hinblick auf die Insektizidresistenz. Ebenso war kein Unterschied zwischen den verschiedenen spanischen Festlandsregionen zu verzeichnen. Insgesamt wurden Olivenfliegenpopulationen aus zwölf spanischen und zwölf weiteren Regionen in fünf Mittelmeeranrainerstaaten untersucht.
Das Problem ist nicht auf Spanien beschränkt. Zwar tritt das Phänomen in keinem Land so großflächig auf wie in Spanien, doch entdeckten die Forscher auch bei vereinzelten Populationen in Italien Resistenzwerte von bis zu 95 Prozent.
In Israel und Portugal lagen die Werte bei 50 Prozent, während bei den Olivenfliegenpopulationen in Tunesien und auf den Balearischen Inseln nahezu keine Resistenzen gegen Insektizide festgestellt wurden.

Oliveoiltimes/fh - Nov 2020

In Frankreich ist seit Anfang September nach Korsika und Provence-Alpes-Côte d‘Azur eine dritte Region vom Bakterium Xylella fastidiosa betroffen. In Okzitanien, genauer im Département Aude nahe der Stadt Carcassonne, wurden Lavendelpflanzen positiv auf die Unterart multiplex getestet.
Diese ist für Weinreben ungefährlich und stellt eher ein Risiko für Steinobstgewächse wie Aprikose, Kirsche, Pfirsich, Mandel und Pflaume dar. Sie kann auch Olivenbäume befallen (Okzitanien zeichnet für ein Viertel der französischen Olivenöl- und die Hälfte der Tafelolivenproduktion verantwortlich), hat dabei aber bei weitem nicht die verheerende Wirkung wie die in Apulien vorherrschende Unterart pauca. Die Unterart multiplex wurde in Europa bisher in verschiedenen Ausprägungen (strain types, siehe Xylella-FAQ in Merum 4/2020) in der Toskana (Monte Argentario, ST 87), in Korsika, der Provence und Portugal (verschiedene Stämme) sowie in Spanien (Festland ST 6, auf Mallorca auch ST7) entdeckt und gilt als besonders mutationsfreudig.
Die Präfektur des Départements Aude ordnete, der neuen europäischen Gesetzgebung folgend (siehe Seite 50), die Rodung aller potenziellen Wirtspflanzen in einem Umkreis von 50 Metern um die Fundstätte sowie die Einrichtung einer 2,5 Kilometer breiten Pufferzone an.

Agriculture.gouv.fr/Oliveoiltimes/Vitisphere/fh - Nov 2020