Der Gesamtwert von Produkten, die betrügerischerweise eine italienische Herkunft vorgaukeln, ist nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Coldiretti zuletzt stark angestiegen und beläuft sich dessen Schätzung nach auf 120 Milliarden Euro. Die Zunahme sieht Coldiretti auch durch den Ukraine-Krieg und damit einhergehende Sanktionen und Handelsembargos begründet.
Zu den meistgefälschten Produkten zählen Käse, an erster Stelle der Parmigiano Reggiano, Wurstwaren, insbesondere Prosciutto di Parma und San Daniele, aber auch Olivenöl und Wein, letzterer häufig in Form von Prosecco-Imitaten.
Die Agropiraterie verursacht nicht nur einen schweren wirtschaftlichen Schaden, sondern kostet Coldiretti-Präsident Ettore Prandini zufolge auch Arbeitsplätze: „Der Beitrag der Produktion italienischer Lebensmittel mit Herkunftsbezeichnung zum Export und Wachstum des Landes könnte viel höher sein, (…) die Eindämmung der Ausbreitung der Agrarpiraterie könnte bis zu 300.000 Arbeitsplätze in Italien schaffen.“

 

Coldiretti/fh - Okt 2022

Die italienische Regierung hat am 4. August 2022 ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Slowenien eingeleitet. Italien streitet bereits seit Anfang 2021 mit dem Nachbarstaat, der bei der EU eine Anerkennung von „Aceto Balsamico“ als generische Produktbezeichnung ohne geographischen Bezug beantragt hatte. Nach Ansicht des italienischen Landwirtschaftsministeriums und des Konsortiums Aceto Balsamico di Modena IGP stellt dies eine Verletzung der geschützten geographischen Angabe (italienisch: indicazione geografica protetta, IGP) Aceto Balsamico di Modena dar und gefährdet das gesamte europäische System geschützter Ursprungsbezeichnungen und geographischer Herkunftsangaben. In einem ersten Schritt wird sich die EU-Kommission mit der Causa beschäftigen, bevor gegebenenfalls der EU-Gerichtshof ein Urteil fällen muss.
Am 18. September wurde bekannt, dass auch Zypern einen „Aceto Balsamico“ wie die Slowenen plant, wogegen Italien bereits seine Opposition angekündigt hat.

 

Italiaatavola/Qualivita/fh - Sep 2022

Die französische Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (Direction générale de la Concurrence, de la Consommation et de la Répression des fraudes, DGCCRF) hat Ende August die Ergebnisse einer groß angelegten Kontrollkampagne im Olivenölsektor bekanntgegeben. Demnach war die Hälfte aller Öle der kontrollierten Produktkategorien Extra Vergine und Vergine nicht regelkonform.
Mehr als ein Drittel der fast 180 kontrollierten Betriebe wiesen Anomalien auf. Die meisten betrafen das Fehlen oder fehlerhafte Anwendung der vorgeschriebenen Etikettierungsangaben. Es wurden auch irreführende Handelspraktiken in Bezug auf den Ursprung und die Qualitätsstufe der Erzeugnisse beobachtet, die den Verbraucher in die Irre führen könnten (z. B. Oliventresteröl, das als natives Olivenöl extra verkauft wird, oder Öl, das fälschlicherweise als lokales Erzeugnis beworben wird).
Die DGCCRF führte außerdem 97 Probeentnahmen durch, um die Angaben zur Produktqualität zu überprüfen. 48 Prozent der untersuchten Olivenöle wurden am Ende der durchgeführten Analysen für nicht regelkonform erklärt, da sie nicht die Kriterien der jeweiligen Kategorie erfüllten und sensorische Mängel aufwiesen. Gegen die überführten Betriebe wurden Strafmaßnahmen eingeleitet, nicht zum Verzehr geeignete Öle herabgestuft oder der industriellen Wiederverwendung außerhalb des Lebensmittelsektors zugeführt.

Teatronaturale/fh - Sep 2022

Nach der letzten Überarbeitung des Lebensmittelkennzeichnungssystems Nutriscore am 29. Juli 2022 wurden einige Lebensmittel und Speisen der mediterranen Diät vorteilhafter eingestuft als zuvor. Vor allem Olivenöl gilt nun nicht mehr als „böses“ Fett, sondern erhielt ein hellgrünes B (=gut), die zweitbeste gesundheitliche Bewertung auf der fünfstelligen Skala Nutriscore.
Der wissenschaftliche Ausschuss, der sich aus Ernährungs- und Gesundheitsexperten aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und der Schweiz zusammensetzt, hat die Parameter für die Bewertung einiger Lebensmittel geändert, indem er nur noch diejenigen, die reich an gesättigten Fetten sind, und nicht mehr auch alle pflanzlichen Öle negativ bewertet. Technisch gesehen wird nicht mehr die durch den Verzehr eines Pflanzenöls gewonnene Energie berücksichtigt, sondern nur noch der Anteil der gesättigten Fette, die schlecht für das Herz-Kreislauf-System sind.
Neben den Ölen wurden auch die Bewertungskriterien einer Reihe anderer Lebensmittel geändert: besser, wenn sie Ballaststoffe und Proteine enthalten, und schlechter, wenn sie Zucker oder Salz enthalten. Durch den neuen Bewertungsalgorithmus haben auch folgende Lebensmittel grünes Licht erhalten, also mindestens ein B (=gut) auf der Lebensmittelampel:
Fisch: Für alle Fische, einschließlich fettem Fisch, wird die Bewertung, aufgrund der Überarbeitung des Proteinparameters erhöht; Vollkorn: Es wird zwischen Lebensmitteln aus Vollkorn und raffinierten Körnern unterschieden, wobei erstere aufgrund ihres Ballaststoffgehalts einen Nutriscore-Vorteil haben; Käse: Einige harte und halbharte Käsesorten mit mäßigem Salzgehalt schneiden besser ab als im alten Algorithmus, was auf Änderungen beim Proteinparameter zurückzuführen ist.
Verschlechtert hat sich hingegen der Nutriscore-Wert folgender Produkte: Zuckerhaltige Produkte: Süßigkeiten und Produkte mit hohem Zuckergehalt, wie z. B. bestimmte Frühstückscerealien, werden herabgestuft; salzige Produkte: Lebensmittel mit übermäßigem Salzzusatz werden am stärksten herabgestuft; rotes und verarbeitetes Fleisch: Diese Lebensmittel werden im Allgemeinen schlechter bewertet als weißes Fleisch und Fisch.
Der endgültige Startschuss für den neuen Algorithmus der nach wie vor umstrittenen Lebensmittelampel wird voraussichtlich im Dezember fallen. Die Hersteller werden dann einige Monate Zeit haben, um ihre Etiketten an die neue Norm anzupassen.
Die nächste Überarbeitung des Nutriscore-Algorithmus ist in drei Jahren vorgesehen, aber politische Forderungen nach einer einheitlichen Nährwertkennzeichnung für ganz Europa könnten diesen Prozess beschleunigen. Die jetzt beschlossenen bedeutenden Änderungen zeigen jedoch, dass der Nutriscore-Algorithmus noch nicht voll ausgereift ist und viele Korrekturen und Anpassungen benötigt, bevor er als zuverlässig und universell anwendbar betrachtet werden kann.

Teatronaturale/fh - Sep 2022

Das aus der Region Marken stammende Lasagne-Rezept Vincisgrassi alla maceratese erhielt Anfang April die offizielle Anerkennung als garantiert traditionelle Spezialität g. t. S. (italienisch STG = specialità tradizionale garantita). Charakteristisch für die Vincisgrassi sind unter anderem die Beigabe von Marsala oder Vincotto (eingedickter Traubenmost) zum Nudelteig sowie die gleichzeitige Verwendung vieler verschiedener Fleischsorten, darunter auch Innereien von Geflügel oder Kaninchen.
Im Gegensatz zu den geographischen Herkunftsangaben DOP und IGP wird bei den garantiert traditionellen Spezialitäten (STG) ein traditionelles Herstellungsverfahren oder eine Rezeptur geschützt. So ist zum Beispiel Mozzarella eine STG, Mozzarella di Bufala Campana hingegen eine DOP mit geschützter Herkunft. Auch die neapolitanische Pizza gehört seit 2010 zu den STG.

Qualivita/fh - Mai 2022

In Battipaglia (Provinz Salerno) im Herzen des traditionellen Produktionsgebietes der Mozzarella di Bufala Campana DOP öffnet am 15. Juni ein neues Museum seine Pforten: das Museo della Bufala e della Mozzarella. Das Museum beleuchtet die Geschichte des Zusammenlebens von Menschen und Büffeln in der Ebene des Sele, Keimzelle der Erfolgsgeschichte der Büffelmilchmozzarella, und befindet sich in einem historischen Gehöft. Der Besucher erfährt, wie früher mit den Tieren gearbeitet und Mozzarella hergestellt wurde und kann im Rahmen einer Führung auch historische Ställe, Geräteschuppen und Produktionsstätten besuchen. Mehr Infos unter www.museodellamozzarella.it.

Gamberorosso/Museodellamozzarella/fh - Jun 2021

Die neue US-Regierung und die EU-Kommission haben sich darauf geeinigt, die Strafzölle auf die Einfuhr von EU- respektive US-Produkten auszusetzen. Die Aufhebung der Zölle gilt ab 11. März für zunächst vier Monate. Die Entspannung im transatlantischen Handelskonflikt lässt betroffene Wirtschaftszweige in Italien aufatmen. So hatten beispielsweise die italienische Wurstwaren-, Käse- und Spirituosenindustrie schwer unter den am 18. Oktober 2019 von der Regierung Trump eingeführten 25-prozentigen Einfuhrzöllen zu leiden. Der italienische Wein war im Gegensatz zum spanischen, französischen und deutschen nicht betroffen.
Aus Furcht vor einer Wiedereinführung der Zölle nach Ablauf des viermonatigen Moratoriums füllten amerikanische Importeure und Händler nur wenige Tage nach Bekanntgabe der Zollaufhebung ihre Lagerbestände insbesondere an italienischem Käse und Spirituosen auf und sorgten damit für einen kleinen Boom in den entsprechenden Sektoren.

Gamberorosso/Ilsole24ore/fh - Mrz 2021

Nach der Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt im Dezember 2020 hat Italien neben der Mozzarella di Bufala campana eine weitere geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP/Denominazione di Origine Protetta) für Mozzarella vorzuweisen: Mozzarella di Gioia del Colle DOP. Wesentlicher Unterschied zum kampanischen Konkurrenten ist die Hauptzutat: Statt wie in Kompanien aus Büffelmilch wird die in und um die Gemeinde Gioia del Colle in der Provinz Bari produzierte Mozzarella aus Kuhmilch hergestellt. Die potenzielle Jahresproduktion von 16 000 Tonnen Mozzarella im Wert von 120 Millionen Euro wird von 280 Zuchtbetrieben und über 70 Käsereien erwirtschaftet.
Im benachbarten Kampanien hält sich die Begeisterung über die DOP-Anerkennung in Grenzen. Zum einen befürchtet man, dass Konsumenten die kampanische Büffelmilchvariante Mozzarella di Bufala campana DOP mit der apulischen Kuhmilchvariante verwechseln könnten, zum anderen steht das Käsepodukt aus Gioia del Colle in Konkurrenz zum traditionellen, kampanischen Kuhmilchmozzarella Fior di Latte di Agerola, der „nur“ als garantiert traditionelle Spezialität (STG/specialità tradizionale garantita) geführt wird.

Qualivita/fh - Mrz 2021

Die Früchte des Olivenbaums waren schon in der Jungsteinzeit ein beliebter Snack, wie Archäologen der Universität Tel Aviv herausfanden. Vor der israelischen Küste nahe der Stadt Haifa stießen sie am Meeresgrund auf Tausende von Olivenkernen, deren Alter sie auf 6600 Jahre schätzen. Sie sind damit 4000 Jahre älter als die bisher ältesten gefundenen Überreste von Tafeloliven, die aus der Zeit um das Jahr 2600 v.Chr. stammten.
Der Fundort mit Überresten von Becken und Gruben aus Stein und Lehm soll nach Angaben der Wissenschaftler damals noch über dem Meeresspiegel gelegen haben. Dass hier Tafeloliven und kein Olivenöl produziert wurden, führen sie darauf zurück, dass sie größtenteils auf intakte Kerne stießen, während sie in ehemaligen Ölproduktionsstätten vorwiegend auf zermahlene Überreste stießen. Die Lage direkt am Meer machte es zudem einfach, die Früchte in Salzlake einzulegen, um sie genieß- und haltbar zu machen. Weil rund um den Fundort keinerlei Überreste von Wohnhäusern zu finden waren, geht man von einer «industriellen» Produktionsstätte für Tafeloliven aus.

Scientificreports/Teatronaturale/fh - Feb 2021

Die EU hat eine umfassende Datenbank eingerichtet, in der man sich detailliert über sämtliche Produkte mit geographischer Angabe (DOP und IGP) der EU-Mitgliedstaaten informieren kann. Auch außereuropäische Produkte, für deren Herkunftsschutz Verträge mit der EU bestehen, sind enthalten.
Unter http://www.tmdn.org/giview finden sich alle Daten zum Schutzstatus in der EU inklusive Produktbeschreibungen (teilweise mit Karten und Fotos), Verweisen auf eventuell bestehende Abkommen mit Nicht-EU-Handelspartnern und externen Links zu den Behörden des jeweiligen Herstellerlands.

EU/Oliveoiltimes/fh - Feb 2021