Das Statistikinstitut ISTAT hat die Ergebnisse einer allgemeinen Datenerhebung im Landwirtschaftssektor veröffentlicht. Dabei stellte sich heraus, dass die Zahl der Betriebe deutlich zurückging, während die mittlere Betriebsgröße zunahm. Im Oktober 2020 wurden 1 133 023 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, zwei Drittel weniger als im Jahr 1982, in dem eine vergleichbare Erfassung durchgeführt worden war. Besonders stark war der Rückgang in den vergangenen 20 Jahren, in denen sich die Zahl der Betriebe halbiert hat (2000: 2,4 Millionen Betriebe).
Die Reduzierung der Betriebszahl brachte eine Zunahme der mittleren landwirtschaftlichen Nutzfläche mit sich: von 5,1 auf 11,1 Hektar seit 1982. Im Jahr 2020 machten Kleinbetriebe mit bis zu einem Hektar Nutzfläche nur ein Fünftel der Gesamtbetriebszahl aus, im Jahre 2000 waren es mit 40 Prozent noch doppelt so viele. Gleichzeitig verdoppelte sich in diesem Zeitraum der Anteil der mittelgroßen Betriebe mit zehn bis 100 Hektar Nutzfläche von 8,9 auf 20,2 Prozent. Lediglich der Anteil der Großbetriebe mit über 100 Hektar Fläche blieb mit 1,6 Prozent unverändert gering.
ISTAT zufolge hat in den letzten zehn Jahren auch die Zahl der Betriebe, die ausschließlich Flächen in Eigenbesitz bearbeiten, deutlich verringert. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Betriebe, die neben der Landwirtschaft noch auf andere damit verbundene Einnahmequellen setzen. An erster Stelle steht der Betrieb eines Agriturismo: Von den über 65 000 Betrieben, die nicht nur Landwirtschaft betreiben, haben 38 Prozent ein Agriturismo. 18 Prozent übernehmen landwirtschaftliche Dienstleistungen für Dritte und 17 Prozent produzieren erneuerbare Energien. Bemerkenswert ist, dass sich die Zahl der Betriebe mit eigener Energieproduktion in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat, auch die Zahl der Agriturismi ist um 16 Prozent gewachsen.

Teatronaturale/fh - Jul 2022

Irland hat am 21. Juni die Europäische Kommission über sein Vorhaben informiert, im Rahmen seiner nationalen Gesundheitspolitik Warnhinweise auf den Etiketten alkoholhaltiger Getränke obligatorisch zu machen. Wenn die EU-Kommission bis 22. September 2022 keine Einwände vorbringt, müssen sämtliche alkoholischen Getränke auf dem irischen Markt einen Hinweis auf dem Etikett erhalten, der folgende Informationen enthält:
Zwei Warnhinweise (Drinking alcohol causes liver disease = Alkoholkonsum verursacht Leberkrankheiten; There is a direct link between alcohol and fatal cancers = Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Alkohol und tödlichen Krebserkrankungen); einen Link zur Seite www.askaboutalcohol.ie des nationalen Gesundheitsdienstes; das Piktogramm einer schwangeren Frau, das auf die Risiken des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft hinweist; die Menge des enthaltenen Alkohols in Gramm sowie die Kalorienzahl.
Der Plan der irischen Regierung steht im Gegensatz zur gerade Ende Februar getroffenen Entscheidung des EU-Parlaments, im Rahmen des EU-Cancer Plans lediglich vermehrte Informationen über moderaten und verantwortungsvollen Alkoholkonsum zu fordern, anstatt explizite Verweise auf Krebs- oder andere Erkrankungen, zum Beispiel in Form abschreckender Bilder wie auf Zigarettenpackungen zu geben. Verboten sind solche damit aber nicht. In Italien und anderen Weinbaunationen fürchtet man, dass falls der Hinweis in Irland Gesetz wird, ein Domino-Effekt eintreten und andere Länder nachziehen könnten, mit negativen Auswirkungen auf den Absatz.

Gamberorosso/fh - Jul 2022

Der italienische Weinjournalist Alessandro Masnaghetti veröffentlicht einen dem Anbaugebiet des Chianti Classico gewidmeten Weinatlas. Das über 400 Seiten starke Werk erklärt das offizielle Lagensystem der Appellation, das mit der Einführung von elf Ortslagen als geographische Zusatzbezeichnungen (UGA= unità geografiche aggiuntive) eine wichtige Neuerung erfahren hat (siehe Meldung vom Juni 2021). Das Buch enthält 180 detaillierte Karten der Chianti-Classico-Weinberge, Informationen zu über 400 Weingütern, eine geologische Studie und auch Vorschläge für touristische Routen durchs Anbaugebiet. Der Atlas erscheint zweisprachig auf Italienisch und Englisch, übersetzt vom Weinjournalisten Burton Anderson.
Masnaghetti hat sich bereits mit Büchern über die Lagen von Barolo und Barbaresco sowie Karten verschiedener Appellationen einen Namen gemacht. Den neuen ab 30. September 2022 erhältlichen Chianti-Classico-Atlas kann man beim Verlag Enogea bereits vorbestellen.

Enogea/fh - Jul 2022

Das Chianti-Classico-Weingut Isole e Olena in San Donato in Poggio wird zukünftig von Franzosen kontrolliert. Die ehemalige Besitzerfamilie De Marchi hat das 1956 gegründete Unternehmen mit 56 Hektar Rebfläche an die französische Holding EPI verkauft, die mehrere Champagner-Marken und seit Ende 2016 auch das Brunello-Weingut Biondi-Santi in Montalcino besitzt. Paolo De Marchi, der Isole e Olena über 40 Jahre lang führte, wird dem Weingut weiterhin als Önologe zur Verfügung stehen. Die Geschäfte führt nach dem Verkauf Giampiero Bertolini, der auch Biondi-Santi vorsteht.
Das von Paolos De Marchis Sohn Luca geführte Weingut Proprietà Sperino im nordpiemontesischen Lessona bleibt weiterhin im Besitz der Familie.

Winespectator/Winenews/fh - Jun 2022

Das Konsortium des Chianti DOCG hat eine Reihe von Änderungen der Produktionsregeln beschlossen: Die wichtigste Neuerung betrifft die Rebsortenzusammensetzung. So wird der Mindestanteil der Leitsorte Sangiovese von 70 auf 60 Prozent abgesenkt. Dies gilt auch für die Unterzone Colli Senesi, die bisher mit 75 Prozent einen höheren Mindestanteil Sangiovese hatte als der Rest der Appellation Chianti. Mit dem Sangiovese verschnitten werden dürfen weiterhin unzählige Rebsorten. Beschränkungen bestehen aber für Cabernet Sauvignon und/oder Cabernet Franc mit zusammen maximal 15 Prozent (Colli Senesi: 10%) sowie für die weißen Sorten mit insgesamt höchstens zehn Prozent. Für alle übrigen roten Sorten sind 40 Prozent Anteil möglich: Auch ein Wein aus 60 Prozent Sangiovese und 40 Prozent Merlot darf künftig Chianti heißen.
Die Regionalregierung der Toskana gab diesem Änderungsantrag des Konsortiums statt und erteilte auch ihre Zustimmung für die Einführung der neuen Unterzone Terre di Vinci, die die Gemeinden Vinci, Fucecchio, Capraia e Limite und Cerreto Guidi umfasst.
Der ebenfalls vom Konsortium gewünschten Einführung einer „Gran Selezione“ als höchste Qualitätskategorie für den Chianti DOCG gab die Regionalregierung keine Zustimmung. Das Konsortium des Chianti Classico DOCG hatte eine gleichnamige Kategorie schon 2014 eingeführt und opponiert gegen die Verwendung desselben Namens für den Chianti DOCG, seit die Pläne dafür bekannt wurden. Aktuell liegt ein Antrag auf Markenschutz für die Gran Selezione des Chianti Classico beim Landwirtschaftsministerium in Rom.

Toscananotizie/Gamberorosso/fh - Mai 2022

Wissenschaftler der Aristoteles-Universität Thessaloniki haben bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Philippi in Nordwestgriechenland Belege für Weinkonsum in Europa vor über 6000 Jahren gefunden. In den Ruinen einer um 4300 v. Chr. abgebrannten Behausung stießen sie dank der sogenannten Flotationsmethode auf Überreste von Traubenkernen und Trester. Bei der Flotation werden Ablagerungen in Wasser gelöst und Fragmente der enthaltenen Materie schwimmen an der Oberfläche auf. Ob die Trauben, deren Reste gefunden wurden, kultiviert oder als Futtermittel genutzt wurden, lässt sich nach Angaben der Archäologen nicht zweifelsfrei klären, doch beweise der Fund, dass Wein Teil der Ernährung und des Lebens der Menschen im frühbronzezeitlichen Griechenland gewesen sei. Nach Griechenland könnte der Weinbau über den Nahen Osten aus Georgien gekommen sein, wo er schon etwa zwei Jahrtausende früher betrieben wurde. Möglich wäre aber auch, dass er sich vor Ort in Griechenland im gleichen Zeitraum selbst entwickelt habe.

TheDrinksBusiness/Winenews/fh - Mai 2022

In Frankreich sorgt eine Untersuchung des Weinmagazins Vitisphere für Aufsehen, nach der drei Viertel der untersuchten ohne Schwefelzusatz vergorenen Weine deutliche Fehler aufwiesen. Edoard Pelonnier-Magimel vom Reb- und Weinforschungsinstitut der Universität Bordeaux kaufte gemeinsam mit Studenten seines Lehrstuhls in Enotheken, Supermärkten oder direkt beim Erzeuger 52 Bordeaux-Weine der Jahrgänge 2015 und 2016, die laut Etikett ohne zugesetzte schweflige Säure erzeugt worden waren. Als Vergleichsgruppe für die Blindverkostung wurden auch Weine gekauft, die diesen in Sachen geographischer Herkunft, Preisklasse und Holzausbau sehr ähnlich waren, aber geschwefelt wurden.
In einem ersten Schritt maß man den SO2-Gehalt der 52 angeblich ungeschwefelten Weine, wobei nur 43 Weine den gesetzlichen Grenzwert von 10 Milligramm pro Liter einhielten. Vier Weine enthielten sogar mehr als 30 Milligramm pro Liter und wurden von der Verkostung ausgeschlossen. In der anschließenden Blindverkostung mit acht Verkostern wurden 75 Prozent der Weine ohne Schwefelzusatz von mindestens drei Verkostern als fehlerhaft beurteilt. Die meisten davon (61 Prozent) waren oxidiert, ein Viertel wies Brettanomyces-Noten auf und 14 Prozent mäuselten. Bei den geschwefelten Weinen wurde hingegen nur ein Viertel des Jahrgangs 2015 beanstandet, beim Jahrgang 2016 wies keiner Fehler auf.

Vitisphere/fh - Mai 2022

Die italienische Polizei hat in der apulischen Provinz Foggia 3,3 Millionen Liter falsch deklarierten Wein und Most der Herkunftsangabe Puglia IGP beschlagnahmt und gegen 14 Personen Ermittlungen wegen Handelsbetrugs und Urkundenfälschung eingeleitet. Vier Weinbaubetriebe sollen mit falschen Angaben zu Rebsorten und Herkunftsbezeichnung einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Die Ermittler gaben an, im Vorfeld auch mit Hilfe von Luftbildaufnahmen Unstimmigkeiten zwischen den angebauten und den tatsächlich an Abfüllbetriebe gelieferten Traubensorten festgestellt zu haben.

Gamberorossa/fh - Mai 2022

Das Amt der Europäischen Union für Markenschutz Euipo hat Bulgarien Ende März die Nutzung des Namens Bolgaré für alkoholische Getränke untersagt und damit für Zufriedenheit beim Konsortium der toskanischen Appellation Bolgheri gesorgt. Als Domaine Boyar, eine der größten Weinkellereien Bulgariens, im Jahr 2017 die sehr ähnlich klingende Marke Bolgaré registrieren lassen wollte, legte das toskanische Konsortium sofort Widerspruch ein, dem zunächst nicht stattgegeben wurde. Im zweiten Anlauf gab die Behörde nun den Italienern recht und bestätigte, dass der Markenname Bolgaré zu stark der Appellationsbezeichnung Bolgheri ähnele und damit Verwechslungsgefahr bestehe.

Gamberorosso/fh - Mai 2022

Die erste vollumfängliche Ausgabe der Weinmesse Vinitaly seit Pandemiebeginn brachte eine Rekordteilnahme ausländischer Besucher mit sich. 25 000 von insgesamt 88 000 Besuchern an der 54. Ausgabe der Veroneser Weinmesse kamen aus dem Ausland, die meisten davon aus den USA und Deutschland. Der Anteil der aus 139 Ländern stammenden ausländischen Gästen lag damit bei 28 Prozent. Daran konnte auch das Fehlen von 5000 Einkäufern aus China, Japan und Russland nichts ändern, die aus pandemiebedingten oder politischen Gründen nicht teilnehmen konnten.
Ein weiterer Trend zeichnet sich nach Angaben der Messeleitung mit einer gesteigerten Teilnahme von Ausstellern aus dem Süden Italiens ab, deren Anzahl sich der der Aussteller aus Norditalien annähert.

Veronafiere/fh - Mai 2022